2016/03/14

13. CHRISTIAN MEVS | Slime




WIE KAM ES ZUM FRAGEBOGEN?
Tropen-Pastor, Bandkollege, Salon Berlin. Erste Versuchskaninchenwelle vor Freischaltung.


PERSON

Name/Wohnort 
Christian Mevs, Berlin

Ist dies Dein erstes Interview?
Nein

Deine aktuellen Bands/Projekte 
Slime, ostinato, Watte

In welchen Bands hast Du vorher gespielt?
The Society Killers
Screamer
Inverted Landscapes
George & Martha
The Gift

Angeschissen
Brosch
Faith Healer
Rossburger Report
MMM
Fuehler
Swiss Bob Team
The Vacuum Cleaner Salesmen
Sket

Wie lange machst Du schon Musik? Wie kam es dazu?
Seit 1975. Beim Freund eine Konzertgitarre gesehen und gleich Deep Purple Riffs. Später: Einsteigen zur Flucht aus den bestehenden Verhältnissen. Musik ist alles.

Welche Instrumente spielst Du? Gelernt oder Autodidakt?
Gitarre, Bass, Schlagzeug, Mischpult
Gelernter Autodidakt

Dein liebstes Stück im Proberaum?
Das Längste

Würdest Du sagen, dass Du Dich und Deinen Stil gefunden hast?
Ja

Was würdest Du Deinem 16jährigem Ich mit auf den Weg geben?
Viel lernen und dann alles wieder vergessen


ZEIT UND GELD

Beruf/Job? 
Musikproduzent und Tonmeister

Wieviel Zeit bleibt Dir für die Musik? Reicht Dir das?
Zu wenig

Würdest Du überhaupt hauptberuflich Musiker sein wollen?
Nein

Hast Du eine Beziehung oder Familie? Wie wirkt sich das auf die Band aus?
Eine Beziehung und mittlerweile auch andere soziale Kontakte, die gepflegt werden. Die Band muss ins wirkliche Leben integriert werden, das Management ist gehalten, diesen Umstand zu berücksichtigen. Die musikalischen Aktivitäten gehorchen ihren eigenen Regeln und werden nicht durch narzisstische oder finanzielle Aspekte beeinflusst.

Wie lange hast Du es zum Proberaum?
5 Stunden von Tür zu Tür

Was zahlt Ihr für Euren Proberaum?
€ 150 Monat

Wie oft in der Woche machst Du Musik?
1x

Verdienst Du mit der Band Geld? Ist das wichtig?
Ja. Nein. Siehe oben.



BANDAKTIVITÄT

Warum spielst Du in einer Band?
Die Möglichkeit, etwas zu sagen und dabei wahrgenommen zu werden. Gut funktionierende Band mit Leuten, mit denen ich teils sonst nichts zu tun haben würde. Durch das langjährige Bestehen Eine Art Familienersatz. Tradition. Lust.

Warum spielst Du Konzerte?
Es kommt nicht auf die Grösse des Publikums an. Ich spüre: Macht, Lebendigkeit, Hingabe, Bestätigung. Auf der Bühne zeigt sich, wie gut die Band ist, es ist ein Spiel ohne doppelten Boden, das gefällt mir. Es ist schon vorgekommen, das ich während eines Konzertes etwas Göttliches gespürt habe. Etwas rastet ein und ich weiss, alle spüren jetzt das Gleiche.

Wie viele Konzerte spielst Du im Jahr? Reicht Dir das?
10 bis 40 und ja, es reicht.

Kommst Du zum Touren?
Kommt drauf an, was damit gemeint ist. 2 Wochen am Stück unterwegs: nein. 20 Konzerte, aber nie mehr als 2 hintereinander, z. B. anlässlich einer Veröffentlichung: ja.

Hast Du schon aufgenommen? Unter welchen Umständen? Welche Formate?
Alle Formate, bis auf Schellack und Walze
Vom Monokassettenrekorder in Beugetechnik im Kinderzimmer bis zum grossen Musikproduktionsstudio auf 2" Band. Sehr gern wähle ich Orte für Produktionen, die temporär sind und zu Musik und Umständen innerhalb der Band passen. Mit der Band Cow war ich auf dem Land und habe für ein Monat ein Haus gegen Fütterung all der Tiere zur Verfügung gehabt. Schönster Aufnahmeort war eine Lichtung im Wald, eine Stelle, wo die Baumwipfel in ihrer Entfernung mit ihrem Delay Rückwürfen zum Songtempo passten.

Warum nimmst Du auf?
Ein produziertes Musikstück ist ein Kunstwerk. Mit dieser Annahme lässt sich allerhand anstellen.

Was ist heute noch von den alten Strukturen wichtig (Label/Booking/Management)?
Bei mir alles. Aber es kommt sehr auf die Umstände an. Grundsätzlich finde ich es gut, mich auf die Musik konzentrieren zu können. Umfassende Kontrolle aller zuarbeitenden Strukturen vorausgesetzt.

Nutzt Du davon etwas oder alles DIY?
Beides, je nach Möglichkeit. Ich versuche auch, selbst einige dieser Strukturen zur Verfügung zu stellen, um Musik zu fördern.

Wie sind die Aufgaben innerhalb der Band verteilt (Booken, Songwriting, Finanzen, etc.)?
s.o. Der andere Gitarrist und ich schreiben die Songs. Einer kümmert sich um die Konten, einer um den schlechten Ruf. Gemeinsam versuchen wir demokratisch zu diskutieren, was nie funktioniert. 

Verbringt Ihr auch außerhalb des Proberaums Zeit miteinander? Ist das wichtig?
Ja. Zum einen, weil wir nur durch gemeinsame Aktivitäten in der Lage sind, die Band weiterzuentwickeln und zum anderen, weil unser Firmenimperium betreut werden muss.

Was erwartest Du von Bandkollegen?
Am Start sein

Bist Du zufrieden mit dem Output Deiner Band?
Könnte besser sein, hat mit Zeit zu tun.

Habt Ihr »Fans«? Wie ist Euer Kontakt zum Publikum? Ist das wichtig?
Ja. Der Kontakt ist wichtig. Es kommt hier mehr auf persönliche Gespräche an, als auf den Kontakt bei z.B. Facebook.

Wie stehst Du zur Gema?
Die Gema ist ein von mir als Urheber mitfinanzierter Verein, der sich darum kümmert, dass meine aufgeführte oder konserviert verbreitete Musik nicht nur anderen Geld einbringt, sondern auch mir. Das ist gut. Schlecht ist die mangelnde Reformfähigkeit und Schwerfälligkeit bei zeitgemässen Entwicklungen.

Würdest Du andere Musik machen wenn Du andere Möglichkeiten hättest (mehr Zeit, mehr Geld, anderes Land oder Stadt etc)?
Kann sein.

Was würdest Du Dir und Deiner Band am ehesten wünschen?
Touren durch USA, Japan, Russland, Brasilien und dann sehen, was sich verändert.

Was hast Du in deinen Jahren in Bands gelernt?
Demokratie funktioniert nicht.

Tipps und Weisheiten?
Nicht lange proben, gleich auf die Bühne. Oder immer Zuhörer einladen.


BEST & WORST

B & W Proberaum-Drink
Kaltes Bier und altes Bier mit Kippen drin.

B & W Konzerterfahrung
Nach 6 Jahren Pause St Pauli Festival 1990 bei strömendem Regen. 15000 Menschen sind förmlich beim Mitsingen durchgedreht.
Konzert in München, wo schon während des Gigs gefüllte Bierbecher auf die Bühne flogen und später eine Hetzjagd nach der Band durchs Viertel veranstaltet wurde.

B & W eigene Songs
Licht von Fuehler u schwarz von ostinato.

B & W Essen vor einem Gig
Hirsch mit passendem Rotwein im Sedel Luzern.
Kartoffelecken mit Ketchup beim Spirit From The Streets Bei Magdeburg.

B & W Publikum
Fabrik Hamburg im Hochsommer, 4000 Leute feiern die Band und von den 4000 sind 2000 immer gerade draussen, weils zu eng ist.
Lingen, das überschaubare Publikum ist schon vor Konzertbeginn unangenehm stramm und sitzt während des Gigs mit dem Rücken zur Band auf der Bühnenkante.

B & W Proberaum
Zum Proberaum umfunktioniertes Ferienhaus in Dänemark mit aufgebautem Recordingsetup und Sauna mit Kamin.
Schlachtraum in einem Kühlhaus, in dem bei jeder Probe alles komplett auf- und wieder abgebaut werden musste, damit das Vieh tags ungestört geschlachtet werden konnte. Und wir reden hier von 2 Drumsets, Bassanlage und 12 Marshallstacks.


COMMUNITY

Siehst Du Dich als Teil einer Szene/Community? Wenn ja, wie definiert sich das? Ist es Dir wichtig?
Als Musiker eher nicht. Ich entdecke gern Neues.

Wie siehst Du die momentane Situation für Bands in Deiner Stadt/ Deinem Land/ der »Community«?
-

Gute Bands aus Deinem Umkreis/Community?
Amigo Tropical
Golden Diskoship
Balg
Muskel
Man Behind Tree
Kadavar
Antihairball
C³I
Masha Qrella
Deichkind

Gute Venues aus Deinem Umkreis/Community?
Kastanienkeller, Ick koof mir Dave Lombardo wenn ick reich bin

Gute Label aus Deinem Umkreis/Community?
Twaague

Wie wichtig sind für Dich Fanzines, Blogs, lokale Venues?
Sehr wichtig. Ich stehe auf moderierte und subjektiv sortierte Informationen.


WEB

Wie siehst Du den Einfluss von Internet und sozialen Medien (z. B. Facebook, Bandcamp, etc.) auf »die Musikwelt«? 
Das sind Möglichkeiten der Wahrnehmung und Verbreitung von Musik und Ideen. Ist doch gut. Es ist dabei aber immer abzuwägen, wem die Aktivität auch etwas bringt. Zum Beispiel Youtube. Dort wird mit Inhalten Relevanz und Mehrwert generiert, von dem der Urheber nix hat.

Wie aktiv bist Du/seid Ihr »im Netz«?
Geht.

Was im Web bringt für Bands und Publikum was?
Meinungen.




SMARTIES

Über welche Medien hörst Du Musik?
Schallplatte, CD, hochauflösend über Computer, MP3, Internetradio, Spotify, Freunde

Aktuelle Entdeckungen?
-

Das muss mit auf Tour
Gehörschutz

Do & Donts in Bands
Keine Partner/innen

Sexiest Erlebnis als Musiker
Strip einer Dame auf der Bühne zu eigenem Song.

Weitere Leidenschaften neben der Musik?
Künstliche Lebenswelten, Fotografie, Sport, Literatur, Sound


FINALE

Hast Du noch Fragen an mich?
Warum machst Du Musik?
e. a.: Wie mit Henning ausgemacht, ich mache Bogen #25 ...

Ein Song und/oder ein Video Deiner Band